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Tochter soll mal Freund zum Mittagessen mitbringen. Denn schließlich ist er ihre Liebe und eigentlich auch “voll toll und der Schärfste und auch so voll reif und soooo…was der sich für Gedanken macht, voll gut.”
Leider alles immer nur, wenn ich nicht dabei bin.
Ich hole am Abend vorher EXTRA das tiefgefrorene Käsefondue, was ichEXTRA für besondere Anlässe aus der Schweiz von meiner SchwesterEXTRA mitgebracht habe heraus,wir machen einen knackigen Endiviensalat, den Tochter in feinste Streifen schneidet und zu dem ich eine EXTRA leckere Sauce mit frisch gepresstem Orangensaft und handzermalmtem Pfeffer zubereite.
“Darf ich den Fondue-Topf mit `ner Knoblauchzehe ausreiben?”, ich frage lieber, denn bei Freundvordiesem durfte man das K-Wort noch nicht mal buchstabieren, wollte man ihn nicht zum unkontrollierbaren Erbrechen bringen.
” Ey, na aber klaaaar, Knoblauch ist Gotts Freund, die essen zuhause nix Anderes!”, beruhigt mich Tochter. Was mich nervt: während wir hier brav in der Küche stehen und schnippeln und machen, liegt ihr Süßer im Wohnzimmer auf der Couch und hat sich die Glotze angeschmissen. Irgendwann schwillt mir der Kamm und ich sage zu Tochter:” Ich find` dis übrigens auch voll super, dass ihr eure Rollenverteilung auch gleichmal von Anfang an gut einübt. Dann gibt`s später mal nicht so`n Stress!” Tochter kuckt mich erst verduzt an, dann verschwindet sie mal eben und taucht mit Freund am Schlawittchen wieder in der Küche auf. Tatsächlich kümmert er sich auch noch um das Zerteilen des restlichen Salats. Allerdings ist er eher so der selbstbestimmte Typ, deshalb werden die Blätter jetzt in Stücke gerissen, statt sie weiterhin in zarte Streifen zu schneiden. Ich tue so, als wenn ich nichts bemerke, meinetwegen kann er sich auf`n Kopf stellen und mip`m Arsch Fliegen fangen. Jedesmal wenn wir uns sehen muss er sich dringend was ausdenken, um mich irgendwie zu provozieren. Hat zuhause zu wenig Aufmerksamkeit bekommen.
Als wir uns in Berlin die neue Schule für Sohn angekuckt hatten, wofür ich Tochter gebeten hatte, mitzukommen, war er auch dabei und musste natürlich bei der Vorführung im Bio-Raum alle Menschenschädel vertauschen, die zuvor liebevoll nach Jahreszahl sortiert und mit Namen versehen waren. Sohn saß erst staunend daneben, bis er dann seinen ganzen Mut zusammen genommen hatte und auch einen Schädel verschob. Natürlich sah die Vortrag haltende Lehrerin genau in dem Moment zu ihm hinüber und Sohn und vermeintlicher “Bruder” waren schon unten durch, bevor wir auch nur nach dem Anmelde-Formular fragen konnten.
Wir schmeißen das Käse-Fondue an und speisen glücklich. Aber klar, wenn man auf Provokation nicht eingeht, muss diese verstärkt werden. ” Hier Freundin, nimm mal meinen Salat, der schmeckt mir nicht. Ach, Freundin, das Fondue wär doch viel geiler, wenn man da nicht so ödes Weißbrot reintunken würde, sondern gebratene Fleischstücke, bla-bla hier und bla-bla da….!”
” Ooooch Tochterfreund, denn mach dis doch! Am besten bereiteste dir ´n Fleischbrei dafür zu und tunkst dis Fleisch da rein und machst Fleisch-mit-Fleisch-Fondue. Dis is´ doch das GEILSTE Essen dann!” Ich habe mich lange genug zurück gehalten! Finde ich !!!
Menno, ich strenge mich echt jedesmal an, wenn ich ihn sehe. Auch weil ich spüre, dass er innendrin echt `n Guter ist. Aber nee, so Männer hab` ich mir früher auch gerne ausgesucht. Ach der Karl kann ja nix dafür, dass er den Arsch nicht hochkriegt, der ist halt überfordert, weil der hat`s ja im Leben auch nicht leicht gehabt, aber INNEN ist der total toll, was der so denkt und wie zart der füüüühlt.
Aber nee, das muss ich mir mit Tochterfreund nicht auch noch geben. Das soll se mal schön alleine…
Wir sind pappsatt, so Käse macht halt auch gut voll- schließt ja bekanntlich den Magen.
” Na, ich hab` noch voll Hunger”, gibt Monsieur von sich,” ich könnte jetzt noch `ne Pizza…”, ich kucke ihn schräg an, kurz davor ihm einfach unter dem Tisch voll gegens Schienbein zutreten, aber woanders dabei hinzukucken, als wenn ich es nicht gewesen wäre. ” Käääääse-Pizza”, bestärkt er seinen Wunsch, ” mit Kääääse im Rand noch drin!”
“Sag mal Tochter”, frage ich sie beim Spül-Maschine einräumen, während Tochterfreund in unserem Hof sitzt und raucht, ” ìch muss dir ja mal sagen, dass ich`s bewundernswert finde, wie tolerant du bist. Ich könnte das überhaupt nicht ertragen, wenn einer ständig so Sachen sagt, die ich merkwürdig finde. Wie machst du dis denn!?”
“Phhhhh”, macht Tochter, ” s geht mir am Po vorbei, ich denke mir nur einfach: Ach, nu issa gerade wieder voll unsicher und labert Scheiße, – aber ist ja nicht mein Problem!”
Super! Wenn ich DAS könnte, wäre ich heute wahrscheinlich schon seit 21 Jahren verheiratet!
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